Erste Weinbergsarbeiten Teil 2: Drahtrahmen ausbessern und Binden

Bevor wir die Ruten nun am Drahtrahmen festbinden können, muß dieser erst ausgebessert und gespannt werden.

Der Drahtrahmen in der Fläche Rotlauf ist, wie die Reben etwa 20 Jahre alt. Die Endpfosten, „Stickel“ genannt, sind aus Holz, die Reihenstickel, also die in der Zeile, zwischen den Endpfosten, sind aus Metall. Alle Endstickel werden auf Standfestigkeit geprüft. Es zeigt sich, daß 14 von Ihnen morsch sind und ausgetauscht werden müssen. Als Ersatz kommen neue, 2,60 Meter lange Stahlstickel zum Einsatz, die beim Setzen vollen Arbeitseinsatz erfordern. Zuerst wird das Loch mit einer massiven, angespitzten Eisenstange vorbereitet. Das Loch muß tief und weit genug sein, daß der neue Stickel darin einigermaßen stehen bleibt, ohne daß er festgehalten muß. Dann kommt der Stickel in das Loch und eine Schlagkatze wird über sein oberes Ende gestülpt. Die Schlagkatze ist ein massives, zylinderförmiges Werkzeug aus Stahl. Das obere Ende des Zylinders ist mit einem Gewicht beschwert, rechts und links ragt je ein langer Griff aus dem Kopf des Zylinders. Die Griffe enden weit unterhalb der Zylinderöffnung. Ist die Schlagkatze auf dem Stickel, wird Sie mit den Griffen nach oben gehoben und dann mit Wucht auf den Stickel gezogen. So wird der Stickel in den Boden getrieben. Das heißt ziemlich viel Körpereinsatz, was ich am Abend auch deutlich spürte. Nachdem die Stickel gesetzt sind und die Drähte des Drahtrahmens an den neuen Stickeln befestigt wurden, kann der Drahtrahmen gespannt werden. Die einzelnen Drähte werden, je nach Funktion, mehr oder weniger gespannt, damit Sie Ihre vorgesehene Funktion erfüllen können. Dazu sind entweder Drahtspanner vorhanden, die mit einem Gabelschlüssel oder einer Zange nachgezogen werden. Oder der Draht wird vom Endstickel gelöst, mit einer Zange angezogen und wieder am Stickel befestigt.

Sobald der Drahtrahmen in Schuß ist, können die Ruten gebunden werden. Dazu wird je eine Rute pro Rebstock vorsichtig auf Höhe des Biegedrahtes umgebogen, so daß die Rute möglichst direkt am Draht einen Winkel von idealerweise etwa 90 Grad aufweist. Dadurch entsteht eine Quetschung, die den Saftfluß in der Rute einschränkt und mit verhindert, daß die stärksten Triebe am Ende der Rute wachsen. Dann wird die Rute um den Draht gewickelt und am Ende der Rute am Draht festgebunden. Wir verwenden dazu kurze, mit Bast umwickelte Drahtstücke.

Diese Arbeiten sollten vor dem Austrieb der Reben erledigt sein, so daß wir im März einen höheren Arbeitsdruck hatten, als geplant. Denn dieses Jahr legte Mutter Natur ja schon sehr früh mit frühlingshaften, oft schon sommerlichen Temperaturen los. Mit tatkräftiger Unterstützung waren wir dann am 20. März, und somit rechtzeitig, mit allen Arbeiten fertig.

Das war auch gut so, denn kurz darauf trieben die Reben aus. Laut einem alteingesessenen Winzer aus Thüngersheim früher als jemals zuvor in seiner etwa 40 jährigen Erinnerung. Die beiden folgenden Fotos habe ich am 2. April aufgenommen:

Austrieb 1

Austreibendes Auge einer 20-jährigen Silvaner-Rebe im Rotlauf

Austrieb 2

Austreibendes Auge einer 5-jährigen Silvaner-Rebe im Fischberg

Jetzt heißt es Daumen drücken, denn durch diesen extrem frühen Austrieb besteht ein hohes Risiko von empfindlichen Ertragseinbußen, falls noch einmal Frost einsetzen sollte.

Zum Abschluß möchte ich noch Matthias Stumpf vom Weingut Bickel-Stumpf erwähnen, der mich mit seiner Erfahrung nicht nur beim Rebschnitt unterstützte. Er weihte mich auch in die Technik des Stickel setzens ein und lieh mir das erforderliche Spezialwerkzeug. Vielen Dank Matthias!

veröffentlicht in Blog